Review of Super Imperialism

March 28, 2003
By

in FTD – Financial Times Deutschland (German edition of FT)

Super Imperialism:
The Origin and Fundamentals
of US World Dominance
Michael Hudson.
Pluto Press 2003,
425 Seiten, 32 €,
ISBN 074531989

Unser Dollar, euer Problem

Wie ein Volkswirt die finanzielle Grundlage der amerikanischen Vorherrschaft erklärt

Von Sebastian Dullien

Wieder einmal starren Wirtschaftsprognostiker Gebannt auf den Dollar-Kurs. Wird die USWährung weiter abwerten und alle Erholungshoffnungen für die Konjunktur in Europa zunichte machen? Wird gar der Greenback soweit abstürzen, dass Deutschland in die Deflation gleitet und ein zweites Japan wird?

Wie so oft in den vergangenen Jahrzehnten ist das Wohl und Wehe der Weltwirtschaft derzeit eng mit der Entwicklung des Dollar verbunden.

Und wie schon so oft stellt sich die US-Regierung auf den Standpunkt: „Der Dollar ist unser Geld, aber euer Problem.“
Tatsächlich: Gravierende Probleme mit dem Wechselkurs scheint Amerika selten zu haben, nicht mit seiner Stärke und nicht in Phasen der Schwäche. Dank des Status als Weltreservewährung stand bislang gar nicht in Frage, dass der Rest der Welt
nur zu gern bereit war, den USA weiter Waren gegen Dollar-Schuldtitel zu liefern. Anders als für andere Länder war deshalb auch das oftmals enorme Leistungsbilanzdefizit der USA für die Amerikaner kein drängendes Problem.

Michael Hudson untersucht in seinem neuen Buch „Super Imperialism“, wie es die USA zu einer solchen Sonderstellung im Weltfinanzsystem gebracht haben. Hudson beginnt mit dem ersten Weltkrieg, der Debatte um die Kriegsschulden der Alliierten und den deutschen Reparationen. Er zeigt auf, wie der globale wirtschaftliche Verfall beschleunigt wurde, weil eine Welle des US Protektionismus es den Europäern unmöglich machte, die Kriegsschulden zu begleichen. Düster wirken die Parallelen zur heutigen Situation, wenn Hudson beschreibt, wie Roosevelt den Dollar mit der Bemerkung abwertete, die heimische Wirtschaft gehe vor, und damit die Deflation in den Rest der Welt exportierte. Interessant für das Verständnis der heutigen Weltfinanzordnung ist, dass Hudson aufzeichnet, wie die USA die Strukturen von Weltbank und Internationalem Währungsfonds so formten, dass sie die beiden Institutionen für die eigene Außenpolitik einspannen konnten. Beklemmend wird es, wenn Hudson analysiert, wie diese Außenpolitik so oft zum ökonomischen Nachteil von Entwicklungs und Schwellenländern führte. Pointiert zeigt der Ökonom dabei auf, wie es die Stellung des US-Dollar als Weltreservewährung den USA erlaubte, den Korea- und Vietnam-Krieg ohne Rücksicht auf Ungleichgewichte der Zahlungsbilanz zu führen.
Dank des Greenback konnte die amerikanische Regierung die Gewehre bezahlen, ohne dass ihre Bevölkerung dafür auf die Butter verzichten musste.

Bemerkenswert an dieser kritischen Sicht ist, dass ihr Autor in den 60er Jahren für die Chase Manhattan Bank internationale Kapitalflüsse analysierte und heute als Wirtschaftsprofessor im mittleren Westen lehrt. Ein Globalisierungskritiker oder Antiamerikaner ist Hudson nicht.

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